Dass ich nicht zu den Menschen gehöre, die extrem gut mit Kindern können war mir eigentlich schon immer bewusst. Babies sind super und richtig putzig, aber alles was langsam ins Schulalter kommt ist mir unheimlich. Ich weiß nicht ob es daran liegt, dass man Kinder doch gerne mal unterschätzt (zumindest wenn man selten Kontakt zu Kindern hat, wie ich, ist das wohl so) und einem dann die Kinnlade runterklappt, wenn man merkt wieviel sie doch schon wissen und verstehen oder ob es einfach nur ihre kindliche und teilweise auch richtig arrogante Art ist (in diesem Alter hat man ja auch noch keine Komplexe wegen jedem Mist). So richtig klar komme ich damit einfach nicht.
Daher war ich auch mein Leben lang überzeugt, dass ich keinen Beruf ergreifen möchte/werde in dem man viel bzw. ausschließlich mit Kindern und/oder pubertierenden Jugendlichen zu tun hat.
In meiner Vorstellung war das immer extrem anstrengend und ja um ehrlich zu sein... einfach nervig. Nun, da ich vorübergehend in einer Schulbibliothek arbeite, kann ich mir auch das Urteil erlauben, dass ich mit dieser Einschätzung völlig richtig lag.
Seit zwei Monaten arbeite ich jetzt hier und endweder ich langweile mich fast zu Tode, weil niemand da ist und ich allein dort sitze oder ich bin von 75% der Schüler einfach nur genervt.
Es gibt wirklich gut erzogene, höfliche und freundliche unter ihnen mit denen ich mich auch gerne mal über "Kinderkram" unterhalte, einfach weil sie wissen wie man sich zu benehmen hat.
Leider ist das beim Großteil der Schüler aber ganz anders. Vor allem die Jungs stechen da heraus. (Jaja, immer sind's die Badboys auf die ja angeblich jedes weibliche Wesen abfährt) Sie sind laut (Ok ich will mal nicht so sein - das sind die Mädels auch und die sind da auch etwas schlimmer), halten sich nicht an die Regeln, werden frech, wenn man ihnen Konsequenten ihres Handelns aufzeigt und halten sich sowieso für das Beste und Geilste (Kein Scherz! Ich hab hier 11jährige, die schlimmer kokettieren als die "Großen") was auf Gottes Erden umherwandelt.
Ich habe innerlich schon so oft gekocht vor Wut und hätte ihnen am liebsten die Leviten gelesen, dass es sich gewaschen hat. Aber das darf ich nicht. Ich bin nicht erziehungsberechtigt (das ist vllt auch gut so) und darf mir von den kleinen Rotzlöffeln auf der Nase rumtanzen lassen oder werde einfach ignoriert, weil es für mich keine Möglichkeiten gibt ihnen irgendwelche Konsequenzen anzudrohen, die nicht total lächerlich sind. Ich bin ja nur eine Bibliotheksassistentin, die niemandem assistiert, weil sie alleine ist, also eigentlich den Job einer Bibliothekarin macht, aber dann müsste man ja mehr Lohn zahlen. *grmpf*
Sicher, es gibt auch wirklich schöne Situationen, bei denen mir die Arbeit echt Spaß macht. Zum Beispiel hat mir mal ein Junge aus der 5. Klasse Boogie Woogie auf dem total ramponierten und völlig verstimmten Klavier vorgespielt (ich hör's ja in der Bibo) oder als mir ein Mädchen einen Glücksstein und ein anderes einen kleinen selbstgemachten Schal geschenkt haben. Oder auch einfach, wenn man sich mit dem ein oder Anderen mal etwas länger unterhalten kann und sie einem von ihren Wünschen und Träumen erzählen. Aber das sind leider nur ganz seltene Momente, die den Rest und meine Unzufriedenheit nicht aufwiegen können.
Insgesamt kommt mir meine Arbeit zu großen Teilen einfach nutzlos vor. Wie gerne würde ich die Bibliothek, die nun wirklich alles andere als einladend ist, etwas schülerfreundlicher und interessanter gestalten. Aber erstens müsste ich dazu erst wieder mit dreiundfünfigtausendzwölfzig Leuten sprechen und Behörden abklappern um irgendwelche Fördermittel zu organisieren und zweitens würde ich wohl das Ergebnis gar nicht mehr sehen, weil ich dann schon wieder weg bin. Und ob dann sofort ein Nachfolger in den Startlöchern steht und der auch noch engagiert genug ist das weiterzuführen was ich angefangen habe und eventuell dann nochmal organisatorisch tätig wird ist sehr fraglich.
Außerdem würde ich die Bibliothek in einen anderen Raum verlegen, da sie momentan im Keller ist (wo Bibos scheinbar sehr gerne hinverfrachtet werden) und direkt neben dem Aufenthaltsraum liegt, in dem die Schüler tun und lassen können was sie wollen, solange sie nicht randalieren und in dem NATÜRLICH(!!11elf) ein Klavier steht, mit dem ich und die Schüler, die die Bibo nutzen, Tag um Tag mit dem wildesten Rumgeklimper gequält werden. Dazu kommt auch noch, dass die Türen durch das Dranrumgezerre der Schüler so im Arsch sind, dass sie nicht mehr richtig zu gehen.
Aber um ehrlich zu sein ich möchte auch gar nicht länger hier arbeiten als ich muss. Es ist einfach nicht meine Welt. Mich nervt dieses Rumgehampel und Gekichere so sehr. Die Art wie sie sich ohne Hemmungen über ihre eigenen Freunde lustig machen (die wohlgemerkt daneben sitzen und noch drüber lachen, weil sie nicht wissen wie sie sonst reagieren sollen). Sie dumm machen, sobald sie in einer größeren Gruppe sind. Da wird gehänselt, gestichelt und gemobbt und kaum sind der/die "Böse" und das "Opfer" zu zweit ist wieder Friede, Freude, Zweckgemeinschaft angesagt. Oberflächlich. Traurig.
Waren wir wirklich auch so als wir jung waren?
Liegt das Verhalten der Schüler an der unzureichenden Erziehung der Eltern oder doch eher am Umfeld?
Muss ich wirklich erst eigene Kinder haben um einen Draht zu ihnen zu kriegen?
Was habt ihr für Erfahrungen mit Kindern? Kommt ihr von Natur aus super mit ihnen klar?
Hattet ihr auch schon solche doofen Jobs?